Concilium 2007 /

Die Theologie und die Pluralität der Religionen

Zu diesem Heft

Zur Entstehung und Dringlichkeit eines neuen pluralistischen Paradigmas

Luis Carlos Susin

CONCILIUM ist eine Zeitschrift katholischer Tradition, in konziliarem und ökumenischem Geist. Die "Zeichen der Zeit" erfordern den Mut, nach neuen Tiefen der "Katholizität" und des ökumenischen Geistes zu suchen und sie zu ergründen. Durch die immer deutlicher in Erscheinung tretende Pluralität der Religionen zeichnet sich ein neues Paradigma ab, das mit größerer Kraft ausgearbeitet werden will, um neue Einsichten und eine neue Sprache zu finden. Die lateinamerikanische Theologische Kommission von EATWOT (Ecumenical Association of Third World Theologians — Ökumenische Vereinigung von Theologen und Theologinnen der Dritten Welt) schlägt CONCILIUM eine partnerschaftliche Zusammenarbeit vor, in der die lateinamerikanische Theologie in ihre Tradition aufnimmt, was die angelsächsische Theologie ausgearbeitet hat: eine Theologie, die mehr ist als "religiöser Pluralismus", nämlich eine pluralistische Theologie der Befreiung, ausgehend von der Option für die Armen. Aloysius Pieris hat der Theologie der Befreiung die Herausforderung deutlich vor Augen geführt, zumal der religiöse Pluralismus in allem mit dem Leben der vielen Armen in den Völkern zu tun hat, wie José Maria Vigil in seinem Beitrag zeigt.

Nach einer Reihe von Veröffentlichungen der EATWOT1 zeigt diese Ausgabe unserer Zeitschrift in partnerschaftlicher Zusammenarbeit zwischen EATWOT und CONCILIUM nicht nur die Bereitschaft zur globalen Zusammenarbeit, die ohnehin in unserer Zeit nahe liegt, sondern auch die fruchtbare Vereinigung von Befreiungstheologie und pluralistischer Religionstheologie. Es versteht sich von selbst, dass die Befreiungstheologie sich nicht den Fragen der vergangenen Jahrzehnte verschließt, sondern sich den neuen Fragestellungen als pluralistische Theologie der Befreiung öffnet.

Die "plurale Ausgangslage", die unsere Zeit bestimmt, die Differenz und die Vielfalt, der gegenwärtige "Pluralismus" als Interpretationskonzept: Ist das alles historisch neu oder ist es eine immer schon bestehende Tatsache des Lebens, von der wir aber neue Erkenntnisse mit wichtigen Konsequenzen gewinnen? Die These dieser Ausgabe von CONCILIUM ist, dass der Pluralismus ein Paradigma ist, das über das Einheitsdenken, den Universalismus und den "Absolutismus" des traditionellen Denkens, der Metaphysik und vor allem der Haltung des Okzidents hinausgeht. Es geht um die Kenntnis der komplexen Wirklichkeit des Lebens auf allen Ebenen, einschließlich der sozialen, kulturellen und religiösen Bereiche. Die Komplexität der Wirklichkeit in ihrer pluralen Bedingtheit fordert heraus und verlangt nach der Gabe der Unterscheidung. Das erfordert ein "neues Erwachen", ein Erwachen aus dem dogmatisch-religiösen Traum, eine "neue Aufklärung" religiöser Art, ausgehend von Andersheit und Pluralismus. Es geht darum, sich der Subjektivität und der Identität vor dem Anspruch der exklusiven Universalität und der absoluten Einheit zu stellen. Das erfordert auch den Mut, die epistemologischen Veränderungen, die in unseren Tagen unwiderruflich geschehen, mitsamt ihren vielfältigen praktischen Konsequenzen und neuen Haltungen zur Kenntnis zu nehmen.

Einige Fragen haben die Herausgeber dieser Ausgabe von CONCILIUM begleitet: Sollte der religiöse Pluralismus lediglich eine Begleiterscheinung des Christentums auf dem Weg in die Moderne sein? Ist er ein westliches Phänomen, für das sich andere religiöse Traditionen nicht interessieren? Sind alle Religionen zu diesem Paradigmensprung aufgerufen? Und mit welchen Mitteln werden sie ihn verwirklichen? Begegnen wir in anderen religiösen Traditionen auch schon Elementen der Universalität und der Annahme des Pluralismus als Ausdruck dieser Universalität?

Angesichts des Pluralismus und der Komplexität unserer Zeit bestehen die gegenwärtigen Gesellschaften einerseits darauf, ihre Identität mit einem fundamentalistischen Akzent vor religiösem Hintergrund auszudrücken; andererseits zerbrechen sie in Fragmente ohne verbindenden religiösen Halt. Aber diese Auseinandersetzungen, die mit religiösen Begriffen geführt werden, haben ihren Ort in einer umfassenderen und vielleicht drängenderen Wirklichkeit als dem der eigentlichen Religionen: Ihr Ort ist die alles umgreifende Globalisierung des Marktes, die einen neuen Typ der globalisierten Apartheid bewirkt und dadurch die Masse der Armen und die Zukunft aller Lebensformen auf Erden bedroht. Die Globalisierung kann auch Werte mit sich bringen, etwa die Betonung der Demokratie und der Menschenrechte. Aber aus der Sicht jener Regionen, in denen immer größere Teile der Bevölkerung zu den Ausgeschlossenen gehören, zwingt die Globalisierung die Völker, die von ihr misshandelt werden, dazu, sich ihre tiefsten Kräfte aus ihren religiösen Wurzeln zu holen, um mit ihrer Menschlichkeit zu widerstehen. Hier kann der religiöse Pluralismus sich auf zweierlei Weise auswirken: Einerseits kann er zu fundamentalistischem Widerstand und zu Gewalt führen aus dem Wunsch heraus, die eigene Identität zu bewahren.

Angesichts des Pluralismus und der Komplexität unserer Zeit bestehen die gegenwärtigen Gesellschaften einerseits darauf, ihre Identität mit einem fundamentalistischen Akzent vor religiösem Hintergrund auszudrücken; andererseits zerbrechen sie in Fragmente ohne verbindenden religiösen Halt. Aber diese Auseinandersetzungen, die mit religiösen Begriffen geführt werden, haben ihren Ort in einer umfassenderen und vielleicht drängenderen Wirklichkeit als dem der eigentlichen Religionen: Ihr Ort ist die alles umgreifende Globalisierung des Marktes, die einen neuen Typ der globalisierten Apartheid bewirkt und dadurch die Masse der Armen und die Zukunft aller Lebensformen auf Erden bedroht. Die Globalisierung kann auch Werte mit sich bringen, etwa die Betonung der Demokratie und der Menschenrechte. Aber aus der Sicht jener Regionen, in denen immer größere Teile der Bevölkerung zu den Ausgeschlossenen gehören, zwingt die Globalisierung die Völker, die von ihr misshandelt werden, dazu, sich ihre tiefsten Kräfte aus ihren religiösen Wurzeln zu holen, um mit ihrer Menschlichkeit zu widerstehen. Hier kann der religiöse Pluralismus sich auf zweierlei Weise auswirken: Einerseits kann er zu fundamentalistischem Widerstand und zu Gewalt führen aus dem Wunsch heraus, die eigene Identität zu bewahren. Andererseits kann er zu einem legitimen und echten Ausdruck einer kulturellen Identität werden, zum Ausdruck der religiösen Verwurzelung, der eigenen "Seele", mit dem Recht auf Verschiedenheit in der menschlichen Lebensvielfalt. So kann der erdrückenden Macht des Anspruchs auf Universalität widerstanden werden, eines Anspruchs, der dort erhoben wird, wo man das Privileg genießt, der Mächtigste zu sein. Unsere These betont dieses zweite, positive Verständnis des religiösen Pluralismus, indem sie versucht, Licht zu werfen auf die schöpferische, heilsame und rettende Absicht der unerschöpflichen göttlichen Kraft in der [3] Vielfalt des Lebens auf Erden. Und sie will den inklusivistischen und vereinheitlichenden Anspruch dekonstruieren, der sich, ausgehend von einem privilegierten Zentrum, dieser Vielfalt entgegenstellt. Natürlich ist dies, wie wir sehen werden, mit Schmerzen bei der Infragestellung christlichen Denkens verbunden.

Die religiösen und kirchlichen Institutionen zögern, den Weg des religiösen Pluralismus zu akzeptieren als ein Zeichen der Zeit und des lebendigen Gottes, als ein Zeichen der Achtung der kulturellen und religiösen Lebensvielfalt, der Gastfreundschaft und des Reichtums des Lebens. Diese Schwierigkeit ist vor allem bei Religionen mit universalem Anspruch anzutreffen. Wir wissen noch nicht, wie positiv auf den Pluralismus zu reagieren ist in Bezug auf die Mission, die Ökumene, die Gastfreundschaft gegenüber den Religionen, die Akzeptanz der kulturellen Lebensvielfalt, durch die sich die Religionen als tiefster menschlicher Reichtum in ihrer Begegnung mit dem Göttlichen ausdrücken.

Es ist jedoch gewiss, dass die religiöse Vielfalt als faktische und bleibende Wirklichkeit sich ausdehnen und noch komplexer werden wird. Wie viel Einsatz, Opfer und Gewalt wird diese zunehmende Komplexität einfordern? Was können wir in der Zeit davon verstehen? Werden wir allmählich mit der Gabe der Unterscheidung die religiöse Pluralität als göttliche Schöpfung begrüßen lernen und entsprechende Einstellungen dazu finden?

Als Christen wissen wir, dass eine große Herausforderung der religiösen Pluralität darin liegt, die Universalität der Offenbarung und des Heils in Jesus zu verstehen und gleichzeitig, ohne Abstriche, den offenbarenden, heilbringenden und universalen Wert der Religionen. Wir befinden uns ja bereits auf der Linie eines unilateralen "Inklusivismus", wenn wir sagen, etwas von der Gnade Christi und der Universalität des Atems des Heiligen Geistes sei auch in einem guten Buddhisten zu finden. Aber wie reagieren wir, wenn ein Buddhist behauptet, dass etwas vom Licht des Buddha auch in einem guten Christen ist? Sind wir bereit, den Inklusivismus der Anderen ebenfalls ernst zu nehmen? Oder anders gefragt: Ist es sinnvoll, am Inklusivismus festzuhalten?

Andererseits ist die Pluralität nicht in abstrakter Weise zu erfassen, indem die wirklichen, manchmal radikalen Unterschiede zwischen den Religionen gleichsam überflogen werden. Das käme einem unverbesserlichen Universalismus der Anpassung gleich, der durch Abstraktion die eigenen Besonderheiten einebnet. Dahinter verbergen sich ein Wille nach Macht und der Versuch der Kolonialisierung und Reduktion der Anderen. Das alles kennt der Okzident gut, und es verdient unsere ganze Kritik. Der Pluralismus — als Paradigma des Denkens, als einzunehmende Haltung — verlangt uns ab, den Anspruch aufzugeben, es gebe absolute und von allen einsehbare Wege, seien sie nun exklusiv oder einseitig inklusiv.

Ein bequemer "Henotheismus", der nur akzeptiert, dass jedes Volk und jede Kultur ihren eigenen Gott haben, wäre eine Haltung zwischen Toleranz und Gleichgültigkeit gegenüber den Religionen und eine Rückkehr zu einer archaischen Haltung, die der Komplexität der Beziehungen in unserer Welt nicht ausreichend Rechnung trägt. Die Gleichgültigkeit in einer Welt, in der die Unterschiede [4] immer mehr aufeinandertreffen, offenbart sich als eine subtile Form der Gewalt. Der heutige Okzident ist geprägt durch die Fragmentierung der Individualitäten, und die neuen religiösen Erfahrungen neigen dazu, neue Synthesen oder Synkretismen zu hervorzubringen, die aus verschiedenen Quellen und Traditionen schöpfen. Führt das über den Pluralismus hinaus oder handelt es sich dabei nur um individuelle und kurzlebige Lösungen im Gefolge der Globalisierung, also in Wirklichkeit um eine der Formen von Gleichgültigkeit?

Wie alle großen Institutionen erleiden die Religionen heute auf institutioneller Ebene Veränderungen, die sich als immer globaler erweisen. Eine "flüchtige" Spiritualität — um ein Bild von Zygmunt Bauman zu gebrauchen —, gehalten von immer poröser und durchlässiger werdenden Wänden, mit sich immer mehr öffnenden Breschen, ist eines der Zeichen unserer Zeit. Ist eine Spiritualität ohne Religion möglich oder erweckt die Spiritualität neue Formen der Religion, die sich schon innerhalb eines pluralistischen Paradigmas bewegen? Gewiss erfordert der Pluralismus jedenfalls eine ihm entsprechende Spiritualität.

Zu diesen Fragen können die Leser und Leserinnen viele andere hinzufügen. Diese Ausgabe von CONCILIUM hat nicht den Anspruch, alle Fragen erschöpfend zu behandeln und fertige Antworten zu liefern. Sie beansprucht etwas Dringende-res in dieser Zeit, nämlich Analysen zu erstellen, Bezüge ausarbeiten, Aufgaben zu beschreiben und Ansätze zu skizzieren. Das ist nicht wenig, es ist eine Geburtsarbeit mit Wehen und Schmerzen bei dem Versuch, neue Kategorien zu entdecken und neue Begriffe zu erproben. Neue Wirklichkeiten brauchen eine neue Sprache mit den Risiken und Unannehmlichkeiten, die damit verbunden sind, angefangen bei den Missverständnissen. Den Autoren und Autorinnen unserer Artikel fehlt es nicht am Sinn für Humor, verbunden mit der Ernsthaftigkeit, mit der sie die Tradition, das Neue und die Verheißungen, die das neue Paradigma mit sich bringt, zu artikulieren versuchen.

Beginnen wollen wir mit der globalen Lage unseres gemeinsamen Hauses: mit der Erde und der Menschheitsfamilie. Die harte Wirklichkeit einer jahrhundertealten Geschichte und die Vorherrschaft des Okzidents führen uns in eine neue Apartheid in bisher nie gekanntem Ausmaß und in eine Sackgasse für die Erde und ihre Kinder. Es sind die Erde selbst und die Armen, die nach einem radikalen Neubeginn rufen. Zukunftsmöglichkeiten erwachsen nur aus einer großen Bereitschaft zum Lernen voneinander, zum Dialog, zur Gastfreundschaft und zu gemeinsamer Anstrengung bei der Erschließung neuer Ressourcen. Das pluralistische Paradigma stellt nicht nur Ansprüche an das Christentum. Es ist eine grundlegende Herausforderung, die alle Kulturen, Völker, Traditionen und Formen von Religion durchdringt und hinterfragt.

Der zweite Teil dieses Hefts setzt sich zusammen aus theologischen Beiträgen, die auf bestimmte Kulturen, Traditionen und ihre Sprachen Bezug nehmen. Hilfe finden wir vor allem auf der Ebene der Unterscheidung: zuerst, um in der rechten Weise den Kairós zu erkennen, die günstige Zeit und ihre Zeichen, die der Theologie zu denken, zu forschen und zu debattieren geben. Wie ist die göttliche Offenbarung einzuordnen angesichts der Vielfalt der Offenbarungen, der Sprachen [5] und kulturellen Symbole? Wie können Universalität und konkrete Partikularität in der religiösen Erfahrung artikuliert werden? Wie ist das Besondere an Jesus, dem Christus und Sohn Gottes, gemäß dem christlichem Glauben, vor einem pluralistischen Hintergrund zu verstehen?

Auch wenn die lebendige Wirklichkeit der Glaubensgemeinschaften wichtiger ist als die Erkenntnistheorie, die in korrekter Weise von diesen Erfahrungen spricht, so sind dennoch epistemologische Reflexionen und neue sprachliche Ausdrucksformen für unser menschliches Erfahren wichtig. Es ist notwendig, ein Risiko einzugehen, sich zu verlieren und sich neuen Bildern und Konzepten zu stellen. Vor dem Hintergrund der verschiedenen Generationen und im Blick auf die Jugend, welche den Pluralismus bereits in sich trägt, wird es — vielleicht radikaler als neue Schläuche für neuen Wein — notwendig sein, sich um neue Schläuche für neuen Wein zu bemühen, wie es einer der Beiträge ausdrückt.

Im dritten Teil des Hefts behandeln wir einige praktische Konsequenzen, was die Haltung gegenüber der Mission, die Spiritualität und die Religion als solche angeht. Es hat Folgen, wenn wir die Welt, unser gemeinsames Haus, mit den Augen Gottes betrachten in einer Zeit der Annäherung der Religionen und anderer menschlicher Erfahrungen. Ob daraus ein fruchtbarer Segen oder eine Bedrohung durch Chaos entstehen, hängt in großem Maße davon ab, wie wir uns in dieser Situation entscheiden, wie wir antworten.

Wir widmen diese Ausgabe von CONCILIUM dem Andenken von Jacques Dupuis. Das Matthäusevangelium beginnt damit, dass es die "Religion der anderen" aufwertet durch den überraschenden Besuch von drei Weisen aus dem Orient, die dort, im Morgenland, einen Stern hatten leuchten sehen, also ein religiöses Zeichen, das die biblische Orthodoxie von damals verbannt hatte. In unserer Zeit kennt die Theologie andere Weisen aus dem Orient: Raimon Panikkar, Aloysius Pieris, Tissa Balasuryia; verbunden mit den dreien sind Michael Amaladoss, Felix Wilfred (Vorsitzender des Direktionskomitees dieser Zeitschrift) und andere. Jacques Dupuis machte sich zuerst auf den umgekehrten Weg, den Weg der Missionare, die vom Okzident kamen und in den Orient und die Länder der südlichen Erdhälfte gingen. Viele unter ihnen litten bitter unter dem "Schock der Differenz". Jon Sobrino (auch er gehört zum Direktionskomitee dieser Zeitschrift) nannte das den "epistemologischen Bruch" — nicht so sehr als theoretische Haltung und als Arbeitsprogramm, sondern als Folge einer Aporie — Skandal und Hässlichkeit — und im Suchen nach respektvoller Offenheit für die göttliche Transzendenz in der Gotteserfahrung anderer, die doch als Gnade empfangen werden müsste.

Die Kontinente Asiens, Afrikas und Lateinamerikas sind Zeugen dieser Verwandlung unzähliger Missionare, die zu Sprechern eines neuen theologischen Ortes geworden sind. Deren Leidenschaft wird genährt von der Überzeugung, dass Offenbarung und Heil wirklich Gnade sind, weil sie mit der Logik der Religion brechen und versuchen, stammelnd zum Ausdruck zu bringen, dass das, "was drinnen ist, draußen ist, dass die Höhe in der Tiefe ist, der Segen neben dem Fluch, und dass das Gericht über die Welt von den Geringsten ausgeht." Jacques [6] Dupuis kam nach Rom, ins Zentrum, zurück und erklärte nachdrücklich, dass das neue Paradigma kein Zentrum mehr habe. Seine christliche Theologie des religiösen Pluralismus hängt mit den Schritten zu der Umkehr zusammen, die eine "Dezentrierung" einforderte. In seiner trinitarischen Theologie des religiösen Pluralismus ist deswegen der Heilige Geist die Umarmung und der Kuss Gottes für die ganze Welt, die Katholizität, in der die Erde und ihr vielfältiges religiöses Leben Raum finden.

Jacques Dupuis wurde zu einem abrahamitischen Weisen, zu einem Meister, der Schritte tat und Wege öffnete und seine persönlichen Erfahrungen mit seinen Untersuchungen verband. Er starb unter Verdächtigungen, die andere, die seine Untersuchungen von innen her mittrugen, kannten. Aber "was sein muss, hat Stärke", und seine Weggefährten und Schüler gehen ihren Weg weiter und vollziehen neue Schritte. Diese Ausgabe von CONCILIUM ist in Zusammenarbeit mit dem Projekt der Theologischen Kommission der EATWOT entstanden und ehrt einen Weggefährten und Meister. Wir erweisen ihm die Ehre, indem wir neue Schritte versuchen, in der Treue zu dem gleichen Geist, der Freiheit gibt und Leben schenkt.

Als Herausgeber möchten wir jenen Kolleginnen und Kollegen danken, die mit Ratschlägen und hilfreicher Kritik das Entstehen dieser Ausgabe begleitet haben: Virgil Elizondo, Edward Farrugia, Claude Geffré, Rosino Gibellini, Maureen Junker-Kenny und Marie-Theres Wacker.

1 Vgl. die Buchreihe Por los muchos caminos de Dios, 5 Bde., hg. von José Maria Vigil, Quito/ Ecuador 2002-2007, im Internet unter www.latinoamericana.org/tiempoaxial; auf Portugiesisch, Spanisch und Italienisch veröffentlicht.

Aus dem Portugiesischen übersetzt von Armin Bernhardt

<--  Concilium Deutsch                  oben î
<--  Inhalt 1965–         Concilium home -->