Concilium 2002 / 4

Religiöse Erziehung von Mädchen und Jungen

Zu diesem Heft

Lisa Sowle Cahill und Werner G. Jeanrond

Die religiöse Erziehung und Bildung von Jungen und Mädchen in den verschiedenen christlichen Kontexten unserer Zeit verändert sich dramatisch. Viele traditionelle Vermittlungswege laufen nicht mehr reibungslos oder haben viel von ihrer früheren Wirkung eingebüßt, neue Wege tun sich nur zögernd auf. Viele Eltern, Lehrer, Priester, Bischöfe und Mitarbeiter in der Jugend- und Gemeindepastoral haben ihre Frustration über die Schwierigkeiten in der Weitergabe des Glaubens an die nächste Generation vernehmlich ausgesprochen. Aber auch viele Kinder bringen ihre Unfähigkeit zum Ausdruck, den Glauben ihrer Eltern einfach fraglos zu übernehmen und kritisieren die überkommenen Formen religiöser Erziehung. So stellt sich die Aufgabe, die sich ändernden Rollen von Familie, Schule, Nachbarschaft, Pfarrei bzw. Kirche und der Medien in der religiösen Sozialisation von Jungen und Mädchen näher zu untersuchen. Darüber hinaus ist den Fragen einer geschlechtsspezifischen religiösen Erziehung nachzugehen. Es ist unbestritten, dass die gegenwärtigen Schwierigkeiten, Jungen und Mädchen in der christlichen Kirche groß zu ziehen, eine sorgfältige Situationsanalyse und neue Ansätze erforderlich machen. Alternative Modelle sind zu entwickeln, wenn der zunehmende Ausfall religiöser Erziehung und die damit gekoppelte allseitige Bedrohung christlicher Glaubensvermittlung in unserer Lebenswelt überwunden werden sollen.

Dieses Heft von CONCILIUM möchte die sich hier stellenden Probleme aufgreifen und die heutige Situation religiöser Sozialisation und Erziehung in den unterschiedlichen Verbreitungsgebieten der Kirche näher untersuchen. In einem ersten Schritt werden bedeutsame Aspekte und spezifische Fragen christlicher Erziehung heute analysiert. Diese Eingangsbeiträge reflektieren über die sich wandelnde Bedeutung der heimischen Familie, der Schule, der Ortsgemeinde, der geschlechtsspezifischen Rollen und der Medien für die religiöse Erziehung von Jungen und Mädchen. In einem zweiten Schritt werden Möglichkeiten und Bedingungen religiöser Formung aus verschiedenen Blickwinkeln bewertet: aus der Sicht der Eltern-Kind-Beziehung, von den besonderen Wünschen junger Erwachsener her und im Blick auf die Wechselbeziehung zwischen der Glaubensentwicklung von Jungen und Mädchen auf der einen und der kirchlichen Ortsgemeinde auf der anderen Seite. Schließlich werden einzelne neu aufkommende Vorschläge, Modelle und Konzepte religiöser Erziehung diskutiert, um dem Leser eine gewisse [376] Orientierung an de Hand zu geben, wie man einige der drängenden Fragen religiöser Erziehung in der Kirche des dritten Jahrtausends mit mehr Aussicht auf Erfolg angehen könnte.

Aus dem Englischen übersetzt von Franz Schmalz

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